Die ganze Welt ist mehr als typisch weiblich.
Viele Mädchen gehen mit technischen Themen anders um als die meisten Jungen. Dabei ist beiden der Praxisbezug wichtig,
doch bei Mädchen ist der direkte Bezug zu ihrem Lebensumfeld noch wichtiger als bei Jungen.
Denn für Jungen ist die Technik bereits Bestandteil ihres traditionellen sozialen Rollenbilds und somit meist
automatisch Teil ihres Lebensumfelds. Darüber hinaus fehlt es den Mädchen im Vergleich zu Jungen an Selbstvertrauen in
diesem Bereich. Das führt zudem dazu, dass Mädchen mangelndes Technikverständnis oft auf sich selbst zurückführen,
während Jungen dafür eher externe Gründe angeben.
Zu diesen Ergebnissen kamen mehrere wissenschaftliche Studien:
- Der bereits 2002 veröffentlichte Report "Women in Computer Sciences:
Closing the Gender Gap in Higher Education" von J. Margolis, A. Fisher und F. Miller der Carnegie Mellon University in
Pittsburgh (www.cs.cmu.edu). Auf diesen Report bezog sich auch das 2009 abgeschlossene,
landesweite Mädchen-und-Technik-Projekt in Österreich (www.mut.co.at).
- Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (www.acatech.de)
veröffentlichte 2009 in der Reihe "acatech disktutiert" verschiedene Studien zum Thema, darunter: "Wege zur
Technologiefaszination" der RWTH-Aachen-Professorinnen Dr. Martina Ziefle und Dr. Eva-Maria Jakobs sowie das
"Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften" von Prof.
Dr. Ortwin Renn vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart. Für das Nachwuchsbarometer befragten
die Wissenschaftler insgesamt 13.000 Schüler und Schülerinnen verschiedener Altersgruppen, deren Eltern und Studierende
zu ihren Einstellungen gegenüber Technik und Naturwissenschaften sowie damit verbundenen Berufen.
- Die von Joachim Milbert herausgegebene Schrift "Förderung des
Nachwuchses in Technik und Naturwissenschaft", ebenfalls aus der Reihe "acatech diskutiert", zeigt die Handlungsfelder
auf.
Demnach benötigen insbesondere Mädchen eine durchgängige Förderung in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften und Technik), damit sie sich auf das immer noch "männliche Territorium"
wagen. Technikinteressierte Mädchen haben während der Kindheit und Jugend laut diesen Befragungen einen starken Bezug zum
Vater, und dieser ermutige sie "explizit dazu, sich mit wissenschaftlichen und technischen Fragen auseinanderzusetzen".
In solchen Familien gäbe es regelmäßig wissenschaftsbezogene Aktivitäten, und die Wertschätzung der Naturwissenschaften
sei hoch. Bei diesen Mädchen sind technische und naturwissenschaftliche Unterrichtinhalte in das Lebensumfeld eingebettet.
Dennoch widersprechen die MINT-Fächer spätestens ab der Pubertät der geschlechtsspezifischen Identitätsentwicklung: Der
aus den Acatech-Studien entwickelte Leitfaden "Förderung des Nachwuchses in Technik und Naturwissenschaft" zeigt auf,
dass Mädchen in diesem Alter vor allem auf Popularität insbesondere beim anderen Geschlecht abzielten, während Jungen
vor allem Unabhängigkeit und Kompetenz anstrebten. Doch auch bei Mädchen ließe sich in diesem Alter das Interesse an
den MINT-Themen steigern, wenn damit ein Lernleistungserfolg verbunden sei. Mädchen, die sich in einem Fach kompetent
fühlten, würden sich dafür auch verstärkt interessieren. Und dieses Gefühl der Kompetenz könne mit Erfolgserlebnissen
und entsprechender Wertschätzung durch erwachsene Bezugspersonen wie Eltern oder Lehrer systematisch aufgebaut werden.
Meine Schlüsse daraus
Aus diesem Grund will ich Mädchen ab dem Grundschulalter vor der Pubertät spezifisch mit technischen Themen ansprechen
und sie ermutigen, dort selbst aktiv zu werden. Die gewählten Inhalte sind bewusst aus dem Alltag der Mädchen
gegriffen (siehe "Mein Angebot").
Die Mädchen lernen dabei, verantwortungsvoll auch mit gefährlichen Werkzeugen umzugehen, was allein schon das
Selbstwertgefühl ungemein hebt. Und neben dem Erfolgserlebnis, etwas geschafft zu haben, können sie aus dem praktischen
Umgang zum Beispiel zwischen fluoreszierenden und phosphoreszierenden Stoffen unterscheiden. Sie wissen außerdem, wie sich ein
thermoplastischer Kunststoff verhält. Das ist ein gewaltiges Bündel an Kompetenzzuwachs!
Nicht alle Mädchen werden sich durch dieses Informationsangebot angesprochen fühlen, aber für einige wird sich der
Erlebnishorizont erheblich erweitern.
Mein Ziel ist es, dass sich diese Mädchen bei der späteren Berufswahl nicht nur die "typisch weiblichen Berufsbilder"
vorstellen können, sondern dass ihnen die ganze Welt offensteht. Sie sollen nach ihren individuellen Fähigkeiten und
Neigungen selbst wählen, was sie werden wollen.

